Verhütung

Sexualität angstfrei genießen

Soll eine Schwangerschaft verhindert werden, muss über Empfängnisverhütung nachgedacht werden. Es gibt keine, für alle gültige, perfekte Methode. Die Entscheidung, welche Verhütung zum Einsatz kommen soll, wird am besten von den Partnern gemeinsam getroffen. Die gesundheitliche Konstitution sowie die aktuelle Lebenssituation, aber auch Wünsche und Bedürfnisse sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden. Folgende Fragen können bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein:

  • Ist es für mich vorstellbar, jeden Tag die Pille einzunehmen?
  • Stört mich das ständige Tragen eines Pflasters?
  • Soll der Schutz über einen längeren Zeitraum anhalten?
  • Wünsche ich mir noch ein Kind?
  • Habe ich damit Probleme, mit den Fingern einen Verhütungsring oder ein Diaphragma einzuführen?
  • Wie fühle ich mich dabei, wenn ich mir vorstelle einen Fremdkörper (Kupfer-, Gold- oder Hormonspirale) in mir zu tragen, auch wenn dieser nicht spürbar ist?
  • Wie würde ich mit einer ungeplanten Schwangerschaft umgehen?
  • Kommen für mich endgültige Methoden (Sterilisation) in Frage?
  • Wie sicher ist ein Kondom, beziehungsweise soll die Verhütungsmethode auch als Infektionsschutz dienen?

Der Gynäkologe Dr. Thorsten Graf, berät individuell, um eine, an Ihre aktuelle Lebenssituation angepasste, Verhütungsmethode zu finden.

Verhütungsberatung

Es gibt viele verschiedene Verhütungsmethoden und jede hat ihre Vor- und Nachteile. In einem vertraulichen und informativen Gespräch mit dem Gynäkologen, Dr. Thorsten Graf, kann abgeklärt werden, welche Methoden es gibt und welche für einen selbst die geeignetste in der derzeitigen Situation darstellt.

„Welche Verhütungsmethode ist Ihrer Meinung nach die beste?“

Dr. Thorsten Graf:  „Die beste Verhütungsmethode gibt es im Allgemeinen nicht. Verhütung ist immer eine individuelle Entscheidung. Grundsätzlich muss man entscheiden, ob hormonell verhütet wird oder mittels verschiedener Barriere-Methoden oder unter Zuhilfenahme von Kupfer. Hormone bieten den Vorteil einer sehr sicheren Verhütungsmethode und auch in vielen Fällen einer Reduktion der Stärke der Regelblutung. Alle Verhütungsmethoden mit Kupfer sind in puncto Verhütungssicherheit auch sehr gut, allerdings verstärken sie zumeist die Regelblutung. Daher kann man pauschal sage: Kein Vorteil ohne Nachteil, und Verhütung muss immer auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmt werden.“

Hormonfreie Verhütung

In den letzten Jahren wird es unter Frauen immer beliebter, hormonfrei zu verhüten. Viele suchen nach einer Möglichkeit, Empfängnisverhütung ohne hormonbedingte Nebenwirkungen zu bewerkstelligen und erkundigen sich nach hormonfreien Alternativen, um eventuelle Gewichtszunahme, depressive Stimmungen oder einen Libidoverlust zu vermeiden. Früher wurde z. B. die Spirale nur Frauen, die bereits entbunden hatten, angeboten. Heute ist sie auch für junge Mädchen oder kinderlose Frauen geeignet, und es gibt zahlreiche innovative hormonfreie Verhütungsmethoden.

Kupferspirale – zum Beispiel Nova T®

In Bezug auf hormonfreie Empfängnisverhütung steht die Kupferspirale an erster Stelle. Drei bis fünf Jahre bietet sie eine sehr sichere Verhütung und kann bei Kinderwunsch jederzeit entfernt werden, und die Empfängnisbereitschaft ist bereits ab dem nächsten Zyklus gegeben. Über Jahre gerechnet ist eine hormonfreie Spirale preisgünstig, auch wenn der Anschaffungspreis hoch erscheint. Bei der Kupferspirale handelt es sich um ein Stäbchen in T-Form, das mit Kupferdraht umwickelt ist. Sie gibt permanent Kupferionen ab, wodurch die Beweglichkeit der männlichen Spermien eingeschränkt wird. Als mechanische Barriere in der Gebärmutter verhindert sie das Aufsteigen, sowie das Einnisten der befruchteten Eizelle.

„Was sind die Nachteile, bzw. die Nebenwirkungen einer Kupferspirale?“

Dr. Thorsten Graf:  „Die mit Abstand häufigsten Nebenwirkungen der Kupferspirale sind verstärkte oder auch verlängerte Regelblutungs-Episoden sowie, insbesondere in den ersten drei bis sechs Monaten, nach Einsetzen der Spirale auftretende Schmierblutungen. Die Verhütungssicherheit liegt etwas hinter der Hormonspirale, aber im Vergleich, z.B. zur Antibabypille, weist die Hormonspirale einen besseren Pearl -Index auf.“

Hormonspirale – Mirena®

Die Hormonspirale zählt zu einer der sichersten Verhütungsmethoden. Bei der Hälfte der Patientinnen tritt gar kein Zyklus mehr auf, bei der anderen Hälfte kommt es zu einer deutlich reduzierten Regelblutung.  Besonders interessant ist dies für Patientinnen mit sehr starker Regelblutung. Durch die lokale Hormonwirkung hat die Hormonspirale die geringst mögliche Hormondosis von allen hormonellen Verhütungsmethoden. Die Hormone wirken lokal und dadurch bildet sich ein Schleimpfropf am Gebärmutterhals, der die Spermien stoppt und es zu keiner Befruchtung der Eizelle kommen kann. Ohne, dass sie von der Frau gespürt wird, bietet die Hormonspirale sehr große Sicherheit, – diese bleibt fünf Jahre bestehen. Im Gegensatz zur Pille unterdrückt die Hormonspirale den Eisprung nicht, und der natürliche Zyklus bleibt meist abgeschwächt aufrecht.

Meine Freundin behauptet, dass es bei der Hormonspirale zu Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen kann. Stimmt das?“

Dr. Thorsten Graf:  „Wie jede hormonelle Verhütungsmethode greift natürlich auch die Hormonspirale in die hormonellen Regelkreise der Geschlechtshormone ein. Allerdings gibt die Hormonspirale von allen hormonellen Verhütungsmethoden, aufgrund ihrer Lage am Wirkort selbst, eine äußerst geringe und vor allem sehr kontinuierliche Hormondosis ab. Starke Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind sehr selten, und die meisten anderen Medikamente können parallel zur gesetzten Hormonspirale bedenkenlos eingenommen werden. Nur bei speziellen Antibiotika sowie Antiepileptika ist Vorsicht bzw. Beratung geboten.“

Kondom

Neben dem Femidom (auch „Kondom für die Frau“ genannt), ist das Kondom noch immer die einzige Verhütungsmethode, die sowohl vor einer ungewollte Schwangerschaft als auch vor Übertragung ansteckender Geschlechtskrankheiten schützt. Vor dem Geschlechtsverkehr wird das Kondom, welches aus Latex besteht, über das steife Glied gezogen, wodurch die Samenflüssigkeit aufgefangen wird und nicht in die Scheide gelangt. Seine Sicherheit hängt von der korrekten Anwendung und der Qualität des verarbeiteten Materials ab. Aber es ist unbedingt zu beachten, dass circa acht von 100 Frauen, die ein Jahr lang ein Kondom verwenden, schwanger werden. Wichtig ist zu beachten, dass ein Kondom nur einmal benutzt werden darf.

„Wie sicher ist die Verhütungsmethode mit Kondom?“

Dr. Thorsten Graf:  „Als Infektionsschutz ist diese Barriere-Methode gut geeignet, allerdings als Verhütungsschutz mit einem Pearl-Index von  2-12  im unteren Bereich angesiedelt. Daher ist sie bei häufigem Partnerwechsel als Infektionsschutz zu empfehlen, als dauerhafte, sichere Verhütungsmethode allerdings nicht.“

Kondome / Infektionsschutz

Neben der Pille ist das Kondom das bekannteste Verhütungsmittel. Anti-Aids-Kampagnen haben das Image des Kondoms wesentlich aufgewertet und Männer sowie Frauen sind sich heutzutage sehr bewusst darüber, wie rasch Geschlechtskrankheiten übertragen werden können und greifen immer öfter zum Kondom. Gerade beim Start einer neuen Beziehung oder bei wechselnden Partnern schützt das Kondom sehr gut vor Ansteckung.

„Wie zuverlässig schützt mich das Kondom vor Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit?“

Dr. Thorsten Graf:  „Bei richtiger und vor allem rechtzeitiger Anwendung besteht ein sehr hoher Infektionsschutz. Im Bereich der schützenden Barriere-Methoden ist das Kondom sicher das Mittel der Wahl.“

Verhütung mit der Pille

Bei Einnahme der Pille wird mittels Abgabe von Hormonen dem Körper eine Schwangerschaft vorgetäuscht. Das heißt, je nach verwendeter Methode, wird der Eisprung oder das Einnisten der Eizelle in der Gebärmutter gestoppt. Eine individuelle Beratung ist, da es sehr viele verschiedene Präparate gibt, unerlässlich. Es kann aufgrund der Hormongabe zu Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme oder depressiven Verstimmungen, kommen. Außerdem dauert es, nach Absetzen der hormonellen Empfängnisverhütung, mehrere Wochen oder sogar Monate, bis sich der normale Zyklus wieder einstellt. Die Pille bietet aber einen sehr zuverlässigen Verhütungsschutz.

„Ab welchem Alter darf ich die Pille nehmen? Muss ich vor der ersten Einnahme gynäkologisch untersucht werden?“

Dr. Thorsten Graf:  „Grundsätzlich gibt es keine Altersgrenze für die erste Pilleneinnahme. Die individuelle Beratung steht aber auch hier im Vordergrund. Vor dem 14. Lebensjahr ist allerdings die Einverständniserklärung eines Elternteiles notwendig. Besonders geeignet für junge Mädchen ist die Mikropille als geringdosiertes Kombinationspräparat, da die Einnahme-Pünktlichkeit nicht so streng gesehen werden muss, wie bei der Minipille, die nur einen Gestagen-Anteil besitzt.“

Verhütungsstäbchen

Dabei handelt es sich um ein vier Zentimeter langes Stäbchen aus Kunststoff, das mit Gelbkörperhormon gefüllt ist. Es ist zwei Millimeter dünn und wird an der Innenseite des Oberarms unter die Haut injiziert. Über einen Zeitraum von drei Jahren wird das Hormon stetig abgegeben und verhindert somit den Eisprung, bzw. bildet sich ein Schleimpfropf im Gebärmutterhals, der das Eindringen der männlichen Spermien verhindert. Ein Vorteil liegt darin, dass dieses Verhütungsmittel auch für Raucherinnen und Frauen mit Blutgerinnungs- bzw. Fettstoffwechselstörungen geeignet sein kann. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass nicht jeden Tag an eine Tabletteneinnahme gedacht werden muss.

„Welche Vorteile hat das Verhütungsstäbchen gegenüber der Pille. Ist das Stäbchen sicherer?“

Dr. Thorsten Graf:  „Die Vorteile des Verhütungsstäbchens bestehen darin, dass das Stäbchen einmalig unter die Haut in das Unterhaut-Bindegewebe des Oberarmes eingesetzt wird und dort dann drei Jahre lang kontinuierlich Hormone zur Verhütung in gleicher Dosierung abgibt. Da beim Verhütungsstäbchen, Einnahmefehler, wie bei der Pille wegfallen, wird dieses laut Pearl-Index sicherer als die Pille zum Schlucken eingestuft. Der Pearl-Index des Verhütungsstäbchens liegt bei 0,05, der der Pille durchschnittlich bei 0,3. Aber auch hier, kein Vorteil ohne Nachteil: Nachteilig beim Verhütungsstäbchen ist, dass in seltenen Fällen nach drei Jahren die Entfernung des Stäbchens, falls es im Gewebe gewandert ist, kompliziert sein kann.“

„Kann das Stäbchen auch vor Ablauf der drei Jahre entfernt werden?“

Dr. Thorsten Graf: Ja, das Verhütungsstäbchen kann jederzeit, auch vor Ablauf der drei Jahre, entfernt werden. Dann ist keine Verhütungssicherheit mehr gegeben, und, ähnlich wie bei anderen Hormonpräparaten, kann es eine gewisse Zeit dauern, bis sich die Fruchtbarkeit wieder einstellt. Bei der Planung des Einsetzens eines Verhütungsstäbchens sollte aufgrund der Kosten aber bedacht werden, dass dieses drei Jahre lang wirkt.“

Vaginalring / Nuva Ring®

Als hormonelles Verhütungsmittel wird der Vaginalring, ein Ring aus biegsamem Kunststoff (Durchmesser circa fünf Zentimeter), direkt in die Scheide eingesetzt. Er gibt stetig Östrogene und Gestagene ab, die von der Scheidenwand aufgenommen werden. Dies verhindert den Eisprung und den Aufstieg der Spermien in die Gebärmutter. Einmal monatlich muss der Nuva Ring® gewechselt werden. Er kann aber auch vor dem Geschlechtsverkehr entfernt werden und danach wieder eingesetzt werden.

„Spürt man den Verhütungsring beim Geschlechtsverkehr eigentlich?“

Dr. Thorsten Graf: „Die Frauen spüren den Ring in den allermeisten Fällen nicht. Häufiger kommt es vor, dass der männliche Partner den Ring bemerkt. Aber es besteht die Möglichkeit vor dem Geschlechtsverkehr den Ring zu entfernen und ihn dann wieder einzusetzen.“

3-Monats-Spritze

Wie das Hormonstäbchen, die Minipille oder die Hormonspirale setzt die 3-Monats-Spritze ein Gelbkörperhormon (Gestagen) frei, welches das Reifen des Eies in den Eierstöcken und somit den Eisprung verhindert. Außerdem wird das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut gehemmt, wodurch sie dünner wird und ein befruchtetes Ei nur schwer aufgenommen werden kann. Alle drei Monate wird dieses sichere Verhütungsmittel mittels Injektion verabreicht. Gut geeignet ist die 3-Monats-Spritze für Frauen, die Östrogene schlecht vertragen oder ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen. Allerdings ist die Hormondosis relativ hoch.

„Ist die 3-Monats-Spritze für jede Frau gut verträglich?“

Dr. Thorsten Graf:  „Da die Dreimonatsspritze eine sehr hohe Hormondosis aufweist, empfehle ich sie nur als Übergangsverhütung für maximal sechs Monate. Unter den hormonellen Verhütungsmethoden ist sie nicht meine erste Empfehlung.“

„Ich habe einen neuen Freund, der Kondome ablehnt. Ist die Drei-Monats-Spritze eine gute Alternative?“

Dr. Thorsten Graf:  „Als Kurzzeit-Verhütungsmethode, wenn man drei Monate lang nicht an Verhütung denken möchte, sicher, aber als dauerhafte Verhütungsmethode ist sie – aus, meiner Sicht -nicht ideal.“

Teenager-Sprechstunde

„Ich bin 15 Jahre alt, darf ich alleine zu Ihnen in die Praxis kommen oder muss meine Mutter oder mein Vater mitkommen?“

Dr. Thorsten Graf: „Wenn Sie es möchten, können Sie gerne einen Elternteil mitbringen, aber notwendig ist es nicht. Daher können Sie gerne allein kommen oder auch eine Freundin als Vertrauensperson mitbringen.“

„Wie sieht es mit Ihrer Schweigepflicht gegenüber meinen Eltern aus, kann ich mich darauf verlassen?“

Dr. Thorsten Graf: „Die ärztliche Schweigepflicht ist oberstes Gebot. Daher werden mit Sicherheit keinerlei Informationen an Ihre Eltern oder andere Personen weitergegeben. Bei mir als Wahlarzt haben Sie auch noch den Vorteil, dass, wenn Sie auf das Einreichen der Honorarnote bei der gesetzlichen Krankenkasse verzichten, auf der Jahresabrechnung nicht aufscheint, dass Sie beim Gynäkologen waren.“

 

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